Kreatives Schreiben – “Dezemberzeit”

November 9th, 2013  / Author: Jessica Maria Kunz

Noch lebte ich vergnügt im Rausch des Lebens,
im Sonnenlicht so unscheinbar.
Doch auch die nächste Zeit ist nicht vergebens:
zum Ruhen und zum Feiern da.

Schon wird es kühl und ruhig im Land,
zieht einen jeden in sein Haus,
bringt einen in den Weihnachtsbann
und richtet große Feste aus.

Reibt Erinnerungen in den Glanz
der Lichter dort am Tannenbaum.
Die Welt jauchzt mit Musik und Tanz,
erfüllt ein jedem Kind den Traum.

Das Lachen, der Geruch, das Feuer
erwärmen nicht nur mich im Herz,
berunden jedes Abenteuer
und so manchen harten Schmerz.

Ja, Dezember heißt die Zeit,
die einen in die Stube zwingt,
zur Ruhe und Geborgenheit.
Gemeinschaft reicht von Alt bis Kind!

 

Katharina List

(alle Rechte beim Autor)

Kreatives Schreiben – “Spring nicht”

September 26th, 2013  / Author: Jessica Maria Kunz

Schimmernd drang das weiße Licht des Mondes zwischen den Wolken hervor, die sich in dieser lauen Sommernacht an den Himmel verirrt hatten. Hier und da blitzten einige Sterne funkelnd auf, bevor der Wind die Wolken weitertrieb und das Firmament wieder verdeckte. Durch mein halb geöffnetes Fenster strömte angenehm kühle Luft herein, welche mir half, die wirren Gedanken zu ordnen, in die ich völlig versunken war. Meine Augen richteten sich auf irgendeinen fernen imaginären Punkt am dunklen Nachthimmel. Alle Lichter waren gelöscht; nur das Zirpen von Grillen und das leichte Motorengeräusch vorbeirasender Autos drangen an mein Ohr. Plötzlich leuchtete das Display meines Handys grell auf und brannte in meinen an die Dunkelheit gewöhnten Augen. Ich hatte es neben mich gelegt, also drehte ich den Kopf und hob es mit der rechten Hand hoch. Mein Blick fiel sofort auf die kleine Anzeige, welche mir bedeutete, dass ich eine neue SMS erhalten hatte. Sofort öffnete ich diese und fuhr begierig über die Buchstaben, bei denen mir das Blut in den Adern gefror. “Es tut mir leid”, las ich flüsternd vor, und auf meiner Stirn bildeten sich Sorgenfalten. Es tat ihr Leid? Die Nachricht stammte von meiner Freundin, aber noch ehe ich mir über ihre wahre Bedeutung klar werden konnte, blinkte das Display erneut und zeigte eine weitere SMS an.
“Ich liebe dich.” Zwei simple Sätze. Sieben einfache Wörter. Und vor meinen Augen begann die Welt zu verschwimmen. Mit einem Satz war ich aus dem Bett gesprungen und rannte, als würde ich vom Leibhaftigen persönlich verfolgt, durch die Flure und Treppenhäuser. Als ich meine Schuhe so hastig wie möglich anziehen wollte, stolperte ich und flog der Länge nach hin. So schnell es ging rappelte ich mich wieder auf, achtete nicht auf mein brennendes Knie, sondern riss die Eingangstür auf und rannte in die Nacht hinaus. Niemand war zu einer solch späten Zeit unterwegs, die Straßen lagen ruhig und verlassen da. Niemand war da, der sich nach dem wie irre rennenden, nur mit Jeans, T-Shirt und Schuhe bekleideten Jungen hätte umdrehen können. Während ich die Straßen entlang rannte, versuchte ich immer wieder, sie zu erreichen. Vergebens. Wahrscheinlich hatte sie ihr Handy ausgeschaltet. Alles war still, nur das laute Klopfen meines Herzens war zu hören. Es flüsterte mir meine Angst zu, raunte mir Befürchtungen ins Ohr. Adrenalin gesellte sich zu dem rauschenden Blut, das durch meine Adern gepumpt wurde. Bilder blitzten vor meinem inneren Auge auf, gesprochene Wörter tanzten durch mein Bewusstsein, wie Tänzer, die sich im Takt der Musik wiegen. Ich wollte sie nicht hören, wollte sie vergessen, der Angst meine Hoffnung entgegen schleudern und mich mit den Worten beruhigen, mit denen man Kinder beruhigt: “es wird alles gut”. Aber ich war kein Kind mehr, und nichts würde gut werden, eine solche Gewissheit konnte man nicht verdrängen. Sie klammerte sich an mich, stach mit ihren scharfen Klauen in mein Fleisch und ließ sich nicht abschütteln, wie die Kälte im Winter. Angst, Verzweiflung, Vorwurf. Ich hatte es nicht früher gemerkt. Nein, du wolltest es nicht wahrhaben. Du hast nicht geglaubt, dass sie dazu bereit wäre. Du wolltest es nicht sehen. Ich unterdrückte einen frustrierten Schrei und ließ ein Bild vor mir auflodern, wie Feuer auf trockenem Holz. Sonne, warmes Licht, das über das Dächermeer vor uns flutete und die Straßen unter uns in Helligkeit tränkte. Auf dem Bauch, die Hände unterm Kinn, hatten wir auf dem großen Dach eines Hochhauses gelegen und auf die Welt unter uns herabgesehen. Ein leichter Wind wirbelte über den Boden und zerzauste ihr dichtes Haar. Wir sagten nichts, blickten nur nach unten, bis sie schließlich seufzte. “Da geht es ziemlich weit runter”, hatte sie gesagt. Der kleine Hauch der Sehnsucht, wie ein kühler Wind der im Herbst den Winter ankündigt, fiel mir erst jetzt auf. Oder, jetzt erst wieder ein?
Trotz der warmen Abendluft lief mir ein kalter Schauer über den Rücken, bestätigte all die bösen Vorahnungen, all die Angst, die sich nicht hatte abschütteln lassen, so sehr ich es auch versucht hatte. Endlich erreichte ich die Straße, von der ich wusste, dass sie mich zu jenem Hochhaus führen würde, und nahm noch einmal alle Kräfte zusammen. Wie ein Fisch auf dem Trockenen schnappte ich keuchend nach Luft. Meine Lunge brannte und meine Beine kribbelten, doch als ich das Haus erreichte, fuhr mir der Schreck und die endgültige Gewissheit wie ein Blitz in die Glieder. Wie versteinert blieb ich stehen, alles fühlte sich schwer und müde an. Doch ich sah sie. Ihr dunkler Schatten zeichnete sich deutlich gegen die helle Silhouette des Mondes ab, und ich sah, wie sie einen Schritt nach vorne über die Kante des Daches machen wollte. “Nein!”, schrie ich mit der Macht eines Verzweifelten, auch wenn ich geglaubt hatte, keine Luft mehr zu haben. Ich merkte, wie sie innehielt und mich jetzt erst zu bemerken schien. Ihr Kopf drehte sich langsam und ihre Augen schimmerten, als sie ihren traurigen Blick auf mich richtete. “Warte!”, rief ich wieder. “Ich komme hoch. Lass uns reden. Wir fangen noch einmal an. Nur wir beide. Zusammen. Lass mich jetzt nicht allein.” Ich sah ihr nicht an, ob meine verzweifelten Worte etwas bewirkt hatten, ob sie sie wirklich dazu bringen würden, auf mich zu warten. Fieberhaft überlegte ich. Da fiel mir ein, dass sich an der Rückseite des Gebäudes eine Feuerleiter befand. Ich sah noch einmal zu ihr auf, wusste aber, dass ich nicht darauf warten, vertrauen konnte, dass sie mir antwortete. Also rannte ich los, achtete nicht auf meinen Körper, der lauthals dagegen protestierte. Ich erreichte die Leiter und kletterte an ihr herauf, als habe ich mein ganzes Leben lang nichts anderes getan. Während ich die Sprossen hochstieg, redete ich ununterbrochen auf sie ein, versuchte sie durch meine Worte zum Bleiben, zum Nachdenken zu bewegen. “Erinner dich an dich und mich. Kümmer dich nicht um den Rest der Welt, der zählt nicht.” Sie antwortete nicht. “Warte auf mich”, bat ich. “Ich komm hoch. Wir werden über alles reden. Mach jetzt bitte nichts Unüberlegtes. Bitte. Ich liebe dich. Ich würde dich niemals im Stich lassen.” Ich musste eine Pause machen, um wieder zu Atem zu kommen und mich nur aufs Klettern zu konzentrieren; das und Reden gleichzeitig war nicht möglich. Ich wusste nicht, wie lange ich sie noch halten konnte und verfluchte mich dafür, dass ich so langsam war, obwohl ich schon alles gab, was ich geben konnte. Ich wollte bei ihr sein, sie in die Arme nehmen und ihr den Halt geben, den ich ihr schon die ganze Zeit hatte geben wollen. Endlich erreichte ich das Ende der Leiter und hievte mich aufs Dach. Ohne nachzudenken, rannte ich nach vorne, aber bevor ich überhaupt dort angekommen war, merkte ich, dass ich zu spät war. Ich konnte sie nirgends entdecken. Es fühlte sich an, als ob mein so heftig schlagendes Herz taub und kalt werden würde. Hier oben gab es nichts, keine Schornsteine oder dergleichen, hinter denen sie sich meinem Blick hätte entziehen können. Meine Schritte wurden langsamer, aus dem Rennen wurde ein Gehen, bis ich schließlich stehen blieb. Meine Augen blickten in die Ferne, auf nichts Bestimmtes, während sich alle Fasern meines Denkens gegen die Wahrheit wehrten. Dagegen, zu akzeptieren, dass ich versagt hatte, nichts hatte tun können. Dass sie von mir gegangen war. Sie hatte von dem Ende geträumt, um neu anfangen zu können und sie hatte gewusst, dass meine Worte sie zum Bleiben bewegen würden, sie ihre Meinung ändern würde. Sie wusste, dass ihr Moment der Schwäche verschwinden würde, sollte ich sie wieder in den Armen halten. Aber sollte dieser seltene Moment des Glücks, der Liebe und der Geborgenheit vergehen, wäre all das Schlimme in ihrem Leben noch da. Das hatte sie gewusst und sich gegen das Leben entschieden. Und dich damit verlassen. Ich liebte sie mehr als alles andere auf der Welt und ich war ihr nicht böse. Nein, ich verstand sie. “Wir sehen uns wieder”, flüsterte ich und wischte mir eine Träne von der Wange. Langsam löste ich mich aus meiner Starre. Mein Entschluss war gefasst, bevor ich mir überhaupt darüber im Klaren war, dass ich mit diesem Gedanken gespielt hatte. Ich atmete tief ein, versuchte das Zittern meines Körpers zu unterdrücken, dann nahm ich einige Schritte Anlauf und rannte, stieß mich von der Kante ab und sprang in die dunkle Nacht.

 

Fabienne Introini

(alle Rechte beim Autor)

Kreatives Schreiben – “Wie ausgelöscht”

Juni 26th, 2013  / Author: liveact

‘Wie ausgelöscht, wie ausgelöscht’, schrei ich. ‘Verstehst du mich nicht? Ich kenn dich nicht mehr? Ich weiß nicht mehr wer du bist? Ich kenn nicht mal richtig mich. Ich will nicht dass du hier bist. Lass mich alleine, lass mich alleine hier sterben. Ich will dich nicht. Ich will nicht dass du hier bist. Geh, geh weg. Geh weg…’ Du nimmst mich fest in den Arm und ich lasse los, denn ich hab sowieso keine Kraft mehr. In deinen Armen weine ich. Und ich erinnere mich. Du warst immer bei mir, egal wie oft ich dich angeschrien habe, du bist geblieben. Und ich bete, dass du auch dieses Mal bleibst.
Wenn ich das hier lese, werde ich bestimmt nicht mehr wissen, dass ich es geschrieben habe. Wie kann ich es mir nur beweisen? Wenn man es nun einfach nicht mehr weiß? Du wirst es mir sagen, du wirst es mir zeigen. Und du wirst nicht ein Detail weglassen. Die Wahrheit, wie es ist und war.
Jetzt nimmst du meine Hand, denn ich erinner mich nicht, erinner mich nicht mehr. Wer bist du und wer bin ich? Ich kenne dich, Anna. Doch verzeih mir, wenn ich nicht weiter als diesen Moment denken kann. Anna, ich liebe dich. Das weißt du, auch wenn ich es dir nie gesagt habe. Du drückst meine Hand, ich kann fast nicht mehr schreiben. Ich tippe. Immer mehr. Immer schneller. Jetzt schreib ich nicht mehr. Ich vergesse dich. Starre nur auf die Tastatur. Elend. Isolation. Willen. Kraft. Los.

Ich weiß nicht was die Nacht bringt. Ich weiß nicht, ob ich wieder hier sein werde. Du fehlst mir, auch wenn ich das eigentlich nicht weiß. Du musst mir fehlen, denn du bist immer an meiner Seite. Verlass mich nicht, auch wenn ich das im nächsten Augenblick behaupte. Du kennst mein Herz, und du siehst was ich wirklich will. Du kennst mich, ich bin erkannt von dir. Ich muss nicht mehr wissen. Das weiß ich. Für diesen Moment. Für immer. Ab jetzt. Ein. Aus. Ein. Aus. Ein.
Aus.

‘Ewig, ewig, ewig’, flüsterst du in meinem Kopf. ‘Ewig, ewig, ewig’. Ich nenn dich Anna, doch du heißt Judith.

Nie vergesse ich diesen Augenblick, ich hab dich vergessen. Nur dein Name auf dem Bild hilft mir.
Ich höre auf zu atmen. Vergiss mich nicht, bitte vergiss mich nicht.

Natalie Mantai

(alle Rechte beim Autor)

Filmkritik – “After Earth”

Juni 21st, 2013  / Author: liveact

 

Nach drei Jahren Pause und hervorragenden Filmen wie ‘The Happening’ oder ‘The Sixth Sense’ sehen wir wieder ein Werk vom Regisseur M. Night Shayamalan auf der großen Leinwand.

Nichts was dieser Film versprochen hatte zu zeigen oder was wir von Shayamalan sonst kennen, wurde in diesem Film geboten und man kann meinen, dass er lieber noch eine Weile hätte Pause machen sollen oder am Höhepunkt aufgehört hätte, denn sein Comeback war nicht gut!

In dem Film geht es darum, dass die Erde nun seit 1000 Jahren nicht mehr von Menschen bewohnt wird und auf dieser nun eine postapokalyptische Natur herrscht, durch welche sich der junge Jaden Smith kämpfen muss, um sich und seinen Vater Will Smith zu retten.

Im Grunde steckt nicht mehr hinter der gesamten Handlung, und dadurch dass man immer den nächsten Schritt im Handlungsablauf erahnen kann, ist der Film sehr langweilig.

Man weiß von Shayamalan, dass er gerne zu dem Thema ‘Postapokalyptische Welt’ tendiert, jedoch ist man es auf höherem Niveau gewohnt; ‘After Earth’ war eindeutig Neuland und man muss zwei Mal nachlesen, ob bei dem Film wirklich er Regie geführt hat.

Die Effekte waren absolut unwürdig, so dass man sie gar nicht ernst nehmen konnte und man nicht wusste „soll ich nun schmunzeln oder weinen?“!

Man hat dem jungen Jaden Smith eindeutig viel zu viel zugemutet, indem man ihm eine so große Rolle gab, welche uns durch den Film führen sollte.

Er ist noch nicht bereit, eine anspruchsvolle, leitende Rolle zu übernehmen!

Man hatte das Gefühl, er ist gefangen auf der Leinwand und fühlt sich selber nicht wohl in seiner Rolle und wirkt dadurch fehl am Platz; durch diese Fehl-Ausstrahlung haben sich auch die Zuschauer unwohl gefühlt, ihm dabei zuzusehen.

Auch Will Smith konnte nicht auf dem Niveau wie zum Beispiel in ‘Sieben Leben’ oder ‘Das Streben nach Glück’ überzeugen.

Dadurch, dass er uns nur zwei nichtssagende Gesichtsausdrücke dargeboten hatte, entstand sogar der Eindruck, als hätte er sich zurück entwickelt zu dem Will Smith aus Bad Boys.

Dieser Film ist eindeutig kein Blockbuster des Jahres 2013 und niemandem zu empfehlen; wer sich doch diesen Film antun möchte, sollte sich am besten gleich danach eine Kinokarte für ‘The Great Gatsby’ kaufen, um die Hoffnung in Schauspieler und den Film nicht zu verlieren.

 

Sabina Bekovic


Steptanz-Workshop mit Lane Alexander

April 3rd, 2013  / Author: liveact

 

“Never perfect. Always fun. If you wait for perfection to have fun, when will that happen? Never.”

Lane Alexander


Erst wurde noch gezweifelt, dann stand es doch fest: Auch in diesem Jahr setzte Lane Alexander aus Chicago die Tradition fort und gab einen Workshop im Tanzraum 51 in Filderstadt. Vom 22. bis 24. März brachte er dort sowohl die Sohlen als auch die Köpfe zum Rauchen. Ein Bericht von Leonie Bredl

Wenn Lane Alexander nach Stuttgart kommt, wirkt er wie ein Magnet, der die Stepplatten aus der näheren und der nicht ganz so nahen Umgebung anzieht. Das ist kein Wunder: Er ist einer der renommiertesten Steptänzer in den USA. Seine Vita ist lang und auch die Liste der bekannten Steptänzer, mit denen er schon getanzt hat. 1990 gründete er zusammen mit Kelly Michaels das Chicago Human Rhythm Project, das sich zum Ziel gesetzt hat, Gemeinschaft durch Rhythmus zu bilden. Er ist Artistic Director des American Rhythm Center in Chicago, wo er auch unterrichtet. Außerdem gibt er regelmäßig Workshops auf allen Kontinenten, unter anderem auch einmal im Jahr in Filderstadt bei Stuttgart.

Der Workshop im Tanzraum 51 beginnt freitagabends mit 2 Stunden “Technique Spezial”. Am Samstag und Sonntag gibt es dann insgesamt 5 Stunden Steptanz für Anfänger mit Vorkenntnissen, Mittelstufe II und Fortgeschrittene (Masterclass). Auch die Veranstalterin Karin Ould Chih übernimmt nicht nur die Organisation, das Kuchenbacken, die Bewirtung, das Aufräumen, das Kümmern um den Gast und das “Für-Alle-Fragen-Da-Sein”, sondern unterrichtet tatsächlich selbst auch noch zwei Stunden “Southafrican Gumboot”. Das ist der Tanz der südafrikanischen Minenarbeiter, der, wie der Name schon sagt, in Gummistiefeln getanzt wird. Es ist zwar mörderisch anstrengend, macht jedoch unheimlich Spaß! Und auch wenn die Waden und Handflächen hinterher vom vielen Klatschen und Stampfen ganz schon weh tun, können die Teilnehmer stolz auf sich sein: Obwohl nicht alle mit Vorkenntnissen angekommen sind, ist eine tolle Choreografie auf die Beine gestellt worden!

In Lane Alexanders Stunden wird auf Latino-Rhythmen und Walzer gesteppt. Während es im Anfängerkurs hauptsächlich darum geht “das Instrument zu stimmen” (die Technik auszuarbeiten), wird ab der Mittelstufe schon ordentlich drauflos gespielt. Lane schafft es, die perfekte Balance zu finden zwischen genauem, langsamen Wiederholen der Steps und TEMPO! Man wird gefordert, aber nicht überfordert. Und eines darf nie fehlen: DER SPASS! Und natürlich: Lockerheit. “Be a Nudel” ist Lanes Devise.

Er ist zu 100% fokussiert und energiegeladen. Er erkennt sofort, wer wo Probleme hat oder unsicher ist, und ist dann zur Stelle. Immer wieder fragt er: “Yes? No? Maybe?”, um sicherzustellen, dass keiner auf der Strecke bleibt. Verständlich und äußerst humorvoll erklärt er Rhythmen, Schritte und was es generell zu beachten gibt. 
”Mein Lieblingswort auf deutsch ist ‘genießen’. Always enjoy the breaks, don’t hurry,“ sagt er.

Die Uhr scheint es trotzdem eilig zu haben – kaum hat er angefangen, ist der Workshop auch schon wieder um. Doch eines haben die Teilnehmer auf jeden Fall: ihn so richtig genossen!

 

Mehr Informationen 
zu Lane und seinem Chicago Human Rhythm Project unter:

www.chicagotap.org

 

zum Tanzraum 51 und Karin Ould Chih unter:

www.tanzraum51.de

 

Fotos: © Karin Ould Chih

 

Fifty Shades of Grey – Twilight für „Erwachsene“

Februar 13th, 2013  / Author: liveact

 

Nach J.K. Rowlings Erfolgsgeschichte folgte nun die nächste Cinderella-Story: Die vorher unbekannte britische Autorin E.L. James landete mit ihrem Erotikroman „Fifty Shades of Grey“ einen internationalen Bestseller. Insgesamt 65 Millionen Exemplare des Buches gingen weltweit über die (virtuelle) Ladentheke, der Roman verkaufte sich in Großbritannien sogar schneller als „Harry Potter“. Auch in Deutschland halten sich alle drei Bände der Trilogie auf den ersten Plätzen der Spiegel Bestsellerliste. Bei so viel Hype habe ich mir das Buch doch einmal näher angeschaut.

 

„Fifty Shades of Grey“ handelt von einer unschuldigen, durchschnittlichen Studentin, die  einen Mann kennenlernt, der gutaussehend, charismatisch, erfolgreich und sehr wohlhabend ist. Das einzige Problem: Er hat ein mysteriöses Geheimnis, das es fast unmöglich zu machen scheint, mit ihm eine gewöhnliche Beziehung zu führen. Trotzdem wird er es versuchen. Nur für sie.

Klingt vertraut? Ja, tatsächlich ist das in etwa der Handlungsverlauf eines jeden Schundromans. Doch vor allem an einen ganz bestimmten Fantasy-Roman erinnert das Buch: an Stephenie Meyers „Twilight“. „Fifty Shades of Grey“ spielt sogar in derselben Gegend um Seattle. Dies ist nicht weiter verwunderlich, schließlich gibt die Autorin offen zu, dass sie sich von der Vampirsaga hat inspirieren lassen. Sie ist bekennender Twilight-Fan und hat in der Vergangenheit Fangeschichten im Internet veröffentlicht. Aus einer dieser Fangeschichten entstand dann auch ihr Bestseller.

Christian Grey ist kein Vampir. Er ist ein kontrollsüchtiger Mann, der sich für die Praktiken des BDSM (Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism) begeistert. Das bedeutet nicht nur, dass er auf Schläge und Fesselspielchen steht, sondern auch, dass Anastasia Steel – die Studentin – einen Vertrag unterschreiben muss, der besagt, dass sie von Freitagabend bis Sonntagabend seine Untergebene ist. Darin wird auch festgehalten, welche Limits beide Vertragspartner setzen und welche Praktiken ausgeschlossen werden. Anastasia jedoch wünscht sich eine Liebesbeziehung – was für Christian wegen seiner traumatischen Kindheit nicht möglich ist. Im ersten Band hadert Anastasia also lange mit der Entscheidung, ob sie den Vertrag unterschreiben soll. Und hadert. Und hadert. Und hadert. Und kommt endlich zu einer Entscheidung. Und der erste Band ist aus.

Doch um den zweiten Band in die Hand zu nehmen ist schon der erste entschieden zu langatmig. Sollten alle drei Bände ähnlich geschrieben sein, hätte man getrost auf die Trilogie verzichten können und einen Band daraus machen. Doch das entsprach dem Verlag vermutlich zu wenig der Mode und dem Gedanken der Gewinnmaximierung.

Literarisch ist das Buch schlichtweg schlecht. Durch die immer wiederkehrenden Dialoge und die sprachlichen Wiederholungen ist es sehr zäh zu lesen. Die wohl am häufigsten vorkommenden Worte sind „holy crap“ und „fuck“, gerne auch kombiniert zu „holy fuck“, wenn Anastasia besonders geschockt ist. Sonderlich erotisch ist das nicht.

Die Figuren wirken fast 1 zu 1 aus „Twilight“ abgekupfert und erleben im Verlauf des Buches keine Entwicklung.

Am anstrengendsten ist die Figur des Christian Grey, der spricht als würde der Autor einer Daily Soap die Dialoge für ihn schreiben („I don‘t make love, I fuck… hard“ oder auch „I want you sore, baby. Every time you move tomorrow, I want you to be reminded that I’ve been here. Only me. You are mine.”). Noch dazu kündigt er jedes Mal vorher den Sex an („I am going to have you now“), dabei kommt der meistens gar nicht so unerwartet.

Weshalb also ist das Buch so beliebt?

Die Geschichte ist zwar wahrlich nichts Neues, scheint aber immer wieder zu funktionieren: Das unscheinbare Mädchen, das sich in einen umwerfenden Mann verliebt, der zwar gefährlich für sie ist und doch alles daran setzen würde, sie zu beschützen. Ob der Angebetete nun Christian Grey, Edward Cullen oder Heinrich Faust genannt wird, ist irrelevant.

Vielleicht ist es heutzutage nicht mehr einfach oder sogar unmöglich, wirklich neue Geschichten zu erfinden. E.L. James‘ Ideenklau ist zwar sehr offensichtlich, doch sie sagt auch offen, dass „Fifty Shades of Grey“ ursprünglich nur als Fanfiction gedacht war. Was erschüttert ist dann wohl eher der Hype aus den Reihen der Leser.

Natürlich ist da der Sex und der Reiz des Verruchten. Die Sexszenen sind alle sehr explizit geschrieben und natürlich ist der Sex immer gut. Auch erwartet man vom Buch vermutlich einen gewissen Schockeffekt, schließlich geht es um Sadomasochismus. Nun ja, zumindest der erste Teil ist noch sehr harmlos. Die Sexspielchen mögen nicht jedermanns Sache sein, doch wirklich schockierend sind sie nicht.

Trotzdem gibt es zahllose Bücher wie „Fifty Shades of Grey“ und manche davon sind bestimmt literarisch um einiges wertvoller. Es wurden auch schon Bücher über BDSM oder andere kontroverse Sexpraktiken veröffentlicht.Was ist also das große Geheimnis?

Geschicktes Marketing? Oder ist der Erotikroman tatsächlich nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda erfolgreich geworden?

Das könnte dann bedeuten, dass viele Menschen ein geheimes Verlangen nach BDSM-Praktiken haben. Oder, dass die Leser offener und aufgeklärter mit dem Thema Sex  und dem Tabuthema Sadomasochismus umgehen wollen.

Oder einfach, dass viele Menschen nicht fähig sind zwischen anspruchsvoller und weniger anspruchvoller Literatur zu unterscheiden und daher lieber das konsumieren, was ihnen vorgesetzt wird – um ganz nebenbei eine Durchschnittsautorin um Millionen Dollar reicher zu machen.

Stephenie Meyer interessiert sich übrigens nicht im geringsten für das Buch ihres großen Fans und hat nicht vor es zu lesen.

 

Leonie Bredl

 

 

Sabina Bekovic über Agenturen für Schauspieler

Februar 6th, 2013  / Author: liveact

 

Die Fantasie-Vorstellung von einer Darsteller-Agentur und von einem Agenten

 

Jetzt bin ich in einer Agentur und habe es geschafft! Falsch!

90% der Arbeit muss der Schauspieler selber erledigen, denn Agenturen müssen sich gleichzeitig um viele Darsteller kümmern.

Die Film- und die Theaterindustrie unterscheiden sich kaum voneinander, in der Hinsicht, dass sie gerne kein Risiko eingehen. Im Theater ist es die Wahl der Stücke, beim Musical, wie z. B. am Broadway und in London, möchten sie wenigstens ein bekanntes Gesicht aus der Musicalszene oder der Filmbranche haben und beim Film, um die Einschaltquoten zu sichern, wenigstens einen bereits namenhaften Schauspieler in einer der Hauptrollen.

Da empfehlen viele Agenturen natürlich in erster Linie ihre ‘Sternchen’ und dann die Newcomer, daher müssen die Schauspieler selber schauen, wo etwas im Gange ist und wo gerade gecastet wird und sich direkt mit Foto, Demoband und Vita bewerben.

Diese These lässt sich ganz einfach mit einem Beispiel erklären:

Steven Spielberg kontaktiert zwei Agenturen um diese nach Besetzungsvorschlägen für die weibliche Hauptrolle zu fragen. Sein Ziel ist es mit seinem neuen Film die ‘Box Offices’ zu sprengen.

Die eine Agentur empfiehlt ihm eine Newcomerin und die zweite Agentur empfiehlt ihm Kirsten Dunst. Er wird mit der zweiten Agentur ins Geschäft kommen um keine Risiken einzugehen, da sich den Film nur wenige anschauen werden, wenn sie keine der Gesichter im Film kennen.

(Dieses Beispiel ist fiktiv)

 

Die meisten Künstler glauben auf ganz naive Art und Weise, dass der schnellste Weg um an gute Jobs zu gelangen, ein guter Agent ist, denn dieser ist ganz loyal und geht von Tür zu Tür und empfiehlt nur sie.

So leicht ist es leider nicht und entspricht eher einer Traumvorstellung.

Wenn man sich den Beruf eines Agenten genauer anschaut merkt man, dass Agenten noch nicht ein Mal konkret für einen Schauspieler arbeiten, sondern eher für den Caster vom Regisseur oder Produzenten. Und sie wissen, dass wenn sie dem Caster das geben wonach er sucht, er diese Agentur immer wieder anschreiben wird.

Wenn die Agenturen immer mit der Tür ins Haus fallen würden und alle ihre Darsteller impulsiv empfehlen würden, dann würden sie von keinen großen Produktionen mehr engagiert werden und ihre Agentur schließen müssen.

 

Andrew Reilly hat dieses Prinzip mit einer kleinen Formel in seinem Buch ‘An Actor’s Business’ auf Seite 44 erklärt:

 

„Die Person die ein Produkt mietet, ist der Regisseur oder Produzent.

Die Person die auf Shoppingtour nach diesem Produkt geht ist der Caster.

Das Produkt ist der Darsteller, welcher einen Platz im Regal der Agentur hat, bis ein Kunde ihn mieten möchte.

Der Einkaufsladen ist die Agentur.“

 

Seine Formel verstehe ich ganz einfach so:

Wen beachtet ein Verkäufer (Agent) am meisten und wem gebührt seine Loyalität?

Dem Kunden, also der Produktion und dem Caster (K-I-K = Kunde ist König), der Schauspieler ist und bleibt ein Produkt.

 

Jeder Schauspieler muss anfangen sich selber als ein selbständiges Business zu sehen.

Wenn man ein Chef eines Geschäftes wäre, würde man auch nicht zu Hause auf der Coach sitzen und warten, dass jemand etwas von einem kaufen möchte, sondern man würde sich täglich neue Marketing-Methoden überlegen und was man an dem Laden, also an sich selber verbessern kann und noch tun kann, damit man noch gefragter ist.

Zu empfehlen sind auch Veranstaltungen wie zum Beispiel Premierenfeiern, Festivals, Workshops etc. um viele Menschen kennen zu lernen, denn man sollte jeden Tag wenigstens 5 interessante Personen kennen gelernt haben, die einem nutzen könnten. Das habe ich von diversen Castingagenten aus Hollywood gelernt, unter anderem von Lindsay Baldasare, die für ‘Gossip Girl’ gecastet hat und Sibby, welche den Cast für ‘CSI’ und ‘The Mentalist’ engagiert hat.

 

Stelle dir nun ehrlich die Frage, wie viele Menschen, die dich in diesem Beruf weiter bringen werden, hast du heute kennen gelernt?

Man muss raus gehen und nicht zu Hause warten!

Agenten sind gut, wenn man einen Auftrag kriegt, damit diese über die Zahlung und den Vertrag noch verhandeln. Sie achten auf mehr Details, auf welche der Schauspieler selber nie kommen würde, da er einfach nur vor der Kamera oder auf der Bühne sein möchte.

Sie verschaffen oft eine größere Zahlung, als am Anfang gedacht war, da sie auch sich selbst im Interesse haben, aufgrund der Provision.

Erhält der Agent mehr Geld für seinen Darsteller, erhält er mehr für sich.

Eine Agentur ist notwendig, damit ein Schauspieler sich eher als professionell präsentieren kann, um dem Darsteller den besten Vertrag zu ermöglichen und um ihm eine Plattform zum Präsentieren zu bieten.

Doch soll man sich auch hier wieder merken, der Agent verkauft keinen Schauspieler und verschafft ihm nicht alleine einen Job, denn das ist die Arbeit vom Schauspieler ganz alleine.

 

Bei der Suche nach der richtigen Agentur sollte man darauf achten, dass es nicht die beste Agentur im Lande ist, welche nur Stars im Archiv hat, denn da hat man eher selten die Chance, als Anfänger irgendwo empfohlen zu werden – jeder will ein Sternchen in seinem Film.

Man sollte sich in der Agentur direkt wohlfühlen und darauf achten, dass man menschlich behandelt wird.

Das Allerwichtigste allerdings ist, dass man schauen muss, dass man keine Aufnahmegebühren zahlen muss oder viel Geld für professionelle Bilder. Diese sind für die Agentur zwar wichtig, doch wenn man bereits professionelle Bilder hat, nicht notwendig.

Seriöse Agenturen sind immer gebührenfrei!

 

Viel Erfolg und denkt immer daran, jeder Künstler ist selber für seine Karriere verantwortlich!

 

Sabina Bekovic

 


Filmkritik – “Cloud Atlas”

Januar 15th, 2013  / Author: liveact

 

Cloud Atlas ist eine Verfilmung des Buches ‘Wolkenatlas’ von David Mitchells und gilt als einer der teuersten deutschen Filme, neben dem Film Parfum. Andy und Lana Wachowski und Tom Tykwer haben gemeinsam das Drehbuch zum Film geschrieben, wie auch die Regie geführt.

Der Film wurde top besetzt mit Schauspielern wie Tom Hanks, Halle Berry, Hugh Grant, Jim Broadbent, Hugo Weaving, Jim Sturgess und vielen mehr. Wir Deutschen konnten uns leider nur durch eine Katy Karrenbauer, welche auch in Scripted Realitys, wie X-Diaries zu sehen ist, präsentieren. Da es eine deutsche Produktion ist, hätte man auf größeres Talent aus unserem Land hoffen können.

Der Inhalt in Cloud Atlas besteht aus 6 Geschichten, welche sich auf 500 Jahre ausbreiten. Diese erzählen von einer Adelsfamilie die sich mit dem Thema der Apartheid auseinandersetzen muss, einer Journalistin, welche die Wahrheit über eine mächtige Organisation erfahren möchte und nun mit ihrem Leben scheinbar büßen muss, einem alten Mann, welcher gegen sein Willen in ein Seniorenheim hinein gesteckt wurde, einem Hirten in der postapokalyptischen Zeit, einem jungen Komponisten, welcher mit seiner Sexualität und Liebe während dem 17. Jahrhundert kämpfen muss und Sonmi, welche für das Recht auf ein freies Leben kämpft.

Durch die vielen Unstimmigkeiten und den Glauben an Reinkarnation, an Schicksal und daran, dass uns Gott auf die Welt geschickt hat, um eine bestimmte Aufgabe zu erledigen, ist der Film nichts für Logiker, Cloud Atlas hat andere Stärken!

Auch wenn es einige Ungereimtheiten gibt, steuert der Film konstant auf ein und dieselbe Aussage zu: Er unterrichtet uns über das Thema Schicksal und dass im Leben nichts ohne Grund passiert, über Reinkarnation und den Willen seine Ziele zu erreichen.

Wenn man sich ganz auf den Film einlässt, erkennt man alle Parallelen der Geschichten. Cloud Atlas ist so nah am Menschlichen gebaut, dass es nahezu unmöglich ist nicht mitzufühlen, zu weinen, nachzudenken oder sich zu fürchten.

Die Musik im Film ist perfekt eingebaut und unterzeichnet jedes der Geschehnisse und Emotionen im Film auf den Punkt genau. Es ist außerdem umso rührender, dass die Symphonie – die von dem Komponisten aus dem 17. Jahrhundert geschrieben wurde – den Namen ‘Wolkenatlas’ trägt und uns ihr Klang durch das Film-Geschehen begleitet.

Tom Hanks konnte durch seine unterschiedlichen Rollen, Gefühlszustände, dem Wechsel zwischen Gut und Böse und seine allgemeine Vielseitigkeit in dem Film Cloud Atlas wieder auf das schauspielerische Niveau, welches er uns in Forrest Gump gezeigt hat, aufblühen. Auch Ben Wishaw, welcher in Skyfall zu sehen war, spielt den homosexuellen Komponisten des 17. Jahrhunderts gekonnt, sympathisch und mit einer schön zu betrachtenden Leichtigkeit.

Charmant ist auch, dass die Wachowski-Geschwister, die in Cloud Atlas sowie in Matrix die Regie geführt haben, eine große Ähnlichkeit an die Matrix-Reihe eingebaut haben: Hugo Weaving übernimmt dieselbe Charakteristik, wie in seiner Rolle als Mr. Smith in der Matrix-Reihe, der einzige Unterschied ist, dass ihm die Brille und der Anzug gefehlt haben. Er übernimmt in jedem Jahrhundert die Rolle des Bösewichts, welcher die Guten von der Arbeit und der Offenbarung abhalten wollte, wie eben Mr. Smith.

Es ist ein wundervoller Film, welcher alle Genres abdeckt!

Ich nehme mir sogar das Recht ihn, wie die Symphonie im Film, als ein Meisterwerk zu bezeichnen. Die Schauspieler, der Schnitt, die Einstellungen, wie auch die Musik sind so durchdacht und auf den Punkt genau, dass man gar nicht anders kann als mitgerissen zu werden. Für alle Cineasten ein Muss, aber auch für alle anderen ist dieser Film eine Bereicherung, welcher uns zum Nachdenken anregt.

Cloud Atlas erzeugt dasselbe in uns wie früher klassische Theaterstücke, denn wir gehen nach Hause und durchlaufen eine Katharsis, wir denken über unsere Taten nach und werden besser, auch wenn es bei manchen kürzer und bei anderen länger anhält.

 

Sabina Bekovic


 

Buchrezension „Der Trafikant“ von Robert Seethaler

Januar 11th, 2013  / Author: liveact

 

Mit „Der Trafikant“ ist dem Wiener Buchautor Robert Seethaler sicherlich ein großer Wurf gelungen: Seit dem Erscheinen des Romans im September 2012 begeistert er Leser und Presse. Bereits im Dezember erschien die zweite Auflage.

Das Buch erzählt die Geschichte des 17-jährigen Franz Huchel, der 1937 seine Heimat am Attersee verlässt, um nach Wien zu gehen. Dort soll er in der Trafik, also einem Zeitungs- und Tabakgeschäft, eines Bekannten seiner Mutter, Otto Trsnjek, arbeiten. Einer der Kunden dort ist auch der bekannte „Deppendoktor“ Sigmund Freud. Franz ist vom ersten Moment an fasziniert von diesem in die Jahre gekommenen Professor und zwischen den beiden entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft.

In Wien trifft Franz auch auf die hübsche Böhmin Anezka, in die er sich sofort verliebt – leider jedoch unglücklich.

Doch nicht nur Liebeskummer und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens machen Franz zu schaffen: Auch gewinnen die Nationalsozialisten an Zuspruch in Österreich und das politische Klima in Wien verändert sich drastisch. Juden und Quertreiber müssen das Land verlassen oder werden verhaftet. Zu den Quertreibern gehört wohl auch Otto Trsnjek und zu den Juden Sigmund Freud und so wird Franz schon bald viel tiefer in die Geschehnisse hineingezogen, als es gut für ihn ist.

Erzählt wird die Geschichte fast durchgehend aus der Sicht von Franz. Anfangs wird nur wenig über seine Figur verraten und die Geschichte wirkt fast etwas märchenhaft. Man fühlt sich, als würde man sie von einem Bekannten erzählt bekommen, gut erzählt aber nur umrissen und ohne viele Einzelheiten. Nach und nach ändert sich dieser Stil jedoch. Franz lernt sich selbst in Wien mehr und mehr kennen und mit jedem bisschen scheint auch der Leser ihm näher zu kommen.

Während Franz dann ganz mit den Problemen eines Heranwachsenden beschäftigt ist, mit seiner Lehre, mit Anezka und seinen ersten sexuellen Erfahrungen, da schleicht sich parallel wie ein Schatten der zweite Weltkrieg heran, fast unbemerkt und doch ständig allgegenwärtig. Franz‘ Naivität erinnert fast schon an die heutige Politikverdrossenheit der jungen Generationen, die so vertieft in ihre eigenen Probleme scheinen, dass das Weltgeschehen mitsamt Euro-Krise und Nahost-Konflikt an ihnen vorbeizieht.

Als Franz sich fragt, welche Berechtigung seine dummen, kleinen Sorgen überhaupt „neben diesen ganzen verrückten Weltgeschehnissen“ haben, da gibt Sigmund Freud einen Ansatz zum Nachdenken: „Ich glaube, da kann ich dich beruhigen: Erstens sind Sorgen in Bezug auf Frauen zwar meistens dumm, aber selten klein. Und zweitens könnte man diese Frage auch andersherum stellen: Was hat dieses ganze verrückte Weltgeschehen überhaupt für eine Berechtigung neben deinen Sorgen?“ (Seite 138)

Die Beschreibung Sigmund Freuds ist sehr lebhaft und macht tatsächlich Lust, sich mit seinen Büchern und der Psychoanalyse zu beschäftigen. Im gesamten Buch ist zu spüren, wie gut sich der Autor mit der Thematik, der Person Sigmund Freuds, den Schauplätzen und dem historischen Hintergrund auseinandergesetzt hat. Allerdings passiert dies nie auf eine aufdringliche Weise, als würde der Autor mit Einzelheiten und Fakten prahlen wollen, sondern stets dezent und nur da, wo es hingehört. So zum Beispiel die Beschreibung der Sprechweise Sigmund Freuds:

„Er sprach langsam und so leise, dass er nur schwer zu verstehen war. Dabei öffnete er kaum den Mund. Es war, als ob er jedes einzelne Wort nur unter erheblicher Anstrengung durch die Zähne gepresst bekäme.“ (Seite 37)

Die Thematik, also der Nationalsozialismus und der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich, ist von Robert Seethaler mutig gewählt. Es gibt bereits unzählige Bücher und Filme, die die tragischen Schicksale des zweiten Weltkrieges beleuchten und die meisten davon drohen unübersehbar mit dem erhobenen Zeigefinger. Man könnte meinen, die Leser seien dem schon überdrüssig geworden.

Doch Seethaler lässt den Zeigefinger weg und genau das macht das Buch angenehm zu lesen. Das Kriegsgeschehen wird einem nicht penetrant aufgedrückt, obwohl es doch Bestandteil der Geschichte ist. Der Autor erzählt einfach die ganz schlichte Geschichte eines unscheinbaren, nichtjüdischen und äußerst naiven Lehrjungen, dessen Schicksal nicht weniger tragisch ist als das der Anne Frank.

Seethaler erzählt mit viel Liebe zum Detail und zeichnet seine Figuren mit zärtlicher Genauigkeit. Sei das nun der Weberknecht, der an Sigmund Freuds Zimmerdecke zittert oder der Geruch des Professors, der Franz an Sägespäne erinnert.

Sein Schreibstil ist leicht und enthält diesen typischen humorvollen und doch trockenen Charme, wie scheinbar nur Österreicher ihn einzusetzen wissen. Die Handlung ist einfach und ohne viel Schnörkel und vielleicht gerade deshalb wunderbar fesselnd.

Auch der Einband ist schlicht und trotzdem ansprechend gehalten. Das dünne Buch – klassisch gebunden und mit stilvollem Lesebändchen – ist perfekt für unterwegs und es passt trotzdem die ganze Geschichte hinein. Die Handlung ist schön abgerundet und auf den Punkt gebracht.

Alles in allem ist „Der Trafikant“ das schlichteste und wunderbarste Buch, das ich seit langem in die Hand bekommen habe. Es nimmt einen so sehr gefangen, dass man erst, wenn man das Buch wieder zugeschlagen hat, merkt, wie schwer es ist, wieder daraus aufzutauchen.

 

Leonie Bredl

 


Weihnachtsgeschichte – “Geschenk”

Dezember 24th, 2012  / Author: Jessica Maria Kunz

 

Es schneite. Tausende weiße, glitzernde Flocken tanzten über den Nachthimmel und legten sich dann langsam auf Bäume, Hausdächer, Autos und Straßen. Es war kurz vor zehn und die Straßen waren leer. Nur eine einzige Fußspur folgte mir durch den frisch gefallenen Schnee. Ich hielt an und sog die eiskalte Luft in meine Lungen. Die Welt um mich herum wirkte wie verzaubert. Sterne, Schneeflocken und Eiszapfen funkelten um die Wette, und wenn ich ganz still war konnte ich sogar den Schnee unter meinen Schuhen knirschen hören.
Als ich noch klein war hatte ich mir jedes Jahr zu Weihnachten Schnee gewünscht. Ich freute mich auf den geschmückten Weihnachtsbaum, auf Lebkuchenherzen und auf leckere Marmeladenplätzchen. Nun stand ich zitternd auf der Straße und wartete auf etwas, von dem ich selbst nicht wusste, was es eigentlich war. 
Es war Heilig Abend und ich stand etwa 100 Meter von dem Haus entfernt, in dem ein Kamin, ein heißer Tee und eine warme Decke auf mich warteten. Ich war den ganzen Tag nicht zu Hause gewesen und auch jetzt spürte ich mein Herz panisch schlagen. Ich dachte an das müde, ausdruckslose Gesicht meiner Mutter, das uns vortäuschen sollte, sie wäre immerhin einmal im Jahr glücklich. Ich dachte an meine Schwester, mit dem gleichen Briefumschlag in der Hand, den ich auch bekommen würde. Ich dachte daran wie sie den ganzen Abend dicht neben Mutter sitzen und sie mitleidig von der Seite anschauen würde. Ich dachte daran, wie ich, wie jedes Jahr, den H&M Gutschein entgegen nehmen würde und lächelnd “Danke!” sagen. 
Aber vor allem dachte ich an Vater, der nicht anwesend sein würde, weil er angeblich bei der Weihnachtsfeier seiner Firma war, wie jedes Jahr. Plötzlich überwältigte mich fast der Drang, einfach nur wegzulaufen. Ich atmete tief ein. Das würde ja auch nichts bringen, außerdem wusste ich ja auch gar nicht, wohin. Langsam kroch die Kälte durch meine Schuhsohlen, bis hoch in meine Knie und ich fing an heftiger zu zittern. Ich fragte mich, wie lange ich hier schon so stand, fand aber keine Antwort. Also bewegte ich meine Beine und ging Schritt für Schritt auf die beleuchtete Tür zu. Als ich den Schlüssel in die Tür steckte, spürte ich mein Herz, wie es sich widerwillig in meiner Brust verkrampfte. Ich atmete einmal tief durch und drehte den Schlüssel im Schloss um. Dann legte ich den Schlüssel auf die Kommode, blieb im dunklen Flur stehen und atmete dreimal tief ein. 
Als ich mich einigermaßen bereit fühlte, folgte ich dem Licht, das aus der Glastür zum Esszimmer schien. Das erste, das ich sah, als ich die Tür öffnete, war der große sperrige Holztisch, an dem vier schmale Holzstühle standen. Das Esszimmer war relativ klein, und das einzige, das sich noch im Raum befand, war ein großer, dicht bewachsener Tannenbaum, der wie jedes Jahr mit Lametta und Lichterketten geschmückt war. Ich schaute kurz hin, wollte meinen Blick schon weiter schweifen lassen, blickte dann aber noch einmal zurück. 
Unter dem Weihnachtsbaum lagen Päckchen. Richtige, echte bunte Päckchen. Ein großes Päckchen war bereits aufgerissen und Styropor, Geschenkband und Papier bedeckten den Laminatboden rings herum. 
Irritiert blieb ich stehen und schaute mich um, als gäbe es hier irgendetwas, das mir die Geschenke erklären könnte. Aber niemand war da. Überhaupt wunderte ich mich. Wo war Mama? Wo war meine Schwester? 
Plötzlich hörte ich ein Lachen und rechts von mir wurde die Tür zum Wohnzimmer aufgerissen. Grinsend rollte meine kleine Schwester in nagelneuen Rollschuhen auf mich zu. Ihre blonden Haare hingen ihr zerzaust ins Gesicht und ihre Backen leuchteten rot vor Freude. „Schau mal, was ich bekommen habe!“ rief sie fröhlich und drehte eine Runde vor meinen Füßen und fuhr dann an mir vorbei in Richtung Flur. Perplex starrte ich ihr hinterher und ging dann langsam in Richtung Wohnzimmer. Ich blickte um die Ecke, blieb abrupt im Türrahmen stehen und atmete scharf ein.
Auf dem kleinen Wohnzimmertisch brannten vier Adventskerzen, sie waren die einzige Lichtquelle im ganzen Raum. Das Licht reichte nicht besonders weit, aber das Sofa war trotzdem gut zu erkennen. Unter der roten flauschigen Decke saß Mama und neben ihr saß tatsächlich Papa. Er hatte seinen Arm um sie gelegt und sie kuschelte sich ganz fest an ihn. Ich konnte das Glück in ihren Augen sehen, das ich so lange vermisst hatte. Sie wandte ihm ihr Gesicht zu und konnte gar nicht aufhören, ihn anzusehen. Auch er schaute sie an und lachte, und so verging eine Weile, bis mich überhaupt jemand bemerkte.
Aber dann blickte Papa doch irgendwann zu mir herüber. „Hallo mein Schatz! Wie lange stehst du denn schon hier?“ Auch Mama schaute mich nun an. „Schön, dass du endlich da bist, du musst doch noch dein Geschenk aufmachen.“ Ich fühlte die Wärme, die sich langsam in mir ausgebreitet hatte, und lächelte. „Aber Mama, das schönste Geschenk habe ich doch schon bekommen.“

 

Marlies Bestehorn

 

(alle Rechte beim Autor)